Kunstvortrag am Dienstag, 10. Januar 2017: Auguste Rodin und Camille Claudel oder: Ekstase und Tragik

100 Jahre nach seinem Tod wird Auguste Rodin 2017 europaweit gefeiert. Zum Auftakt lädt der Kunstkreis Warendorf zu einem weiteren Kunstvortrag von Herrn Dr. Martin Dziersk ein am Dienstag, den 10. Januar 2017, um 19:30 Uhr im Sophiensaal in Warendorf. Eintrittskarten zum Preis von 10,00 Euro sind an der Abendkasse erhältlich. Es erwartet Sie ein weiterer informativer, spannender Beitrag im Rahmen der Vortragsreihe „Mit System verrückt – über die Lesbarkeit von Kunst“.

Auguste Rodin gilt heute als Wegbereiter, wenn nicht gar als Vater der modernen Bildhauerei. Er wurde und wird als genialer Künstler gefeiert, verdiente ein Vermögen, seine Arbeiten finden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen auf der ganzen Welt.

1883 lernte die nicht einmal 18-jährige Camille Claudel den bereits berühmten Rodin kennen. Er nahm ihr Talent als Bildhauerin sofort war, und sie trat als Gehilfin in sein Atelier ein, um ihn bei seinen Großaufträgen zu unterstützen. Daraus entstand eine mehr als zehn Jahre dauernde fruchtbare und enge Zusammenarbeit – ab 1888 in einem gemeinsamen Atelier – und eine leidenschaftliche Liebe. Claudel wurde zum Modell, zur Gehilfin, zur Muse und zur Geliebten für Rodin, während er zeitlebens mit den meisten seiner Modelle intime Beziehungen gepflegt haben soll und bis zu seinem Tod mit einer anderen Frau liiert war.

Da Rodin sich nicht zwischen Claudel und seiner Lebensgefährtin entscheiden konnte oder wollte, endete diese Beziehung um 1892. Sein Ruhm stieg weiter, während Claudel nach einer kurzen kreativen und von Rodin unabhängigen Zeit von ihrer Familie in eine psychiatrische Anstalt abgeschoben wurde. Dreißig Jahre verbrachte sie dort und schaffte kein einziges Werk mehr – sie geriet in Vergessenheit. Erst lange nach ihrem Tod erlangte Claudel 1984 mit einer Großausstellung im Musée Rodin in Paris Berühmtheit.

Die Themen höchster Sinnlichkeit und Erotik, Sehnsucht, Schmerz und Tragik durchziehen wie ein Spiegel ihres Verhältnisses große Teile ihres jeweiligen Werkes; die Urheberschaft einer einzelnen Arbeit ist dabei für den uneingeweihten Betrachter oft auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Bedeutet das aber nicht im Umkehrschluss, dass wir es nicht nur mit einem Genie zu tun haben? Am 10. Januar 2017 soll auf der Grundlage einer intensiven Auseinandersetzung mit vielen Werken dieses außergewöhnlichen Künstlerpaares darauf eine Antwort gegeben werden.

2017-01-06T15:46:46+00:0006.01.2017|Aktuell, Vorträge|